Albanien Süd

Albanien! Eine doch etwas andere Welt empfängt uns als wir über die Grenze fahren. Nach dem unkomplizierten Grenzübertritt (weder Maggie, noch die Grüne Karte interessierte) rollen wir gespannt in das uns unbekannte Land. Vorbei an kleinen Dörfern, in denen die Menschen per Hand ihre Felder bestellen und Eselkarren uns entgegen kommen. Neben der Straße begrüßen und kleine und größere Berge, viel Grün und die Weite der Landschaft. Fröhlich grüßende Menschen stehen am Straßenrand und Kinder laufen uns lachend entgegen.

Es geht Richtung Butrint. Zunächst auf geteerter Straße, plötzlich auf 4km Schlaglochpiste weiter, welche widerum im Handumdrehen zu Teer wird. Andy hat ein wenig zutun, die Schlaglöcher rechtzeitig zu sehen und schnell, unter Berücksichtigung des Gegenverkehrs, die richtige Piste auf der Straße zu finden.

Vor uns macht die Straße eine lange Rechtskurve, hinter der sich ein Holzfloß versteckt. Über dieses gelangen wir wackelnd und knatternd über den kleinen Flußarm. Am anderen Ufer erwartet auf uns ein Parkplatz, bestückt mit einigen deutschen Wohnmobilen und vielen albanischen Männern, die sich im Schatten aufhalten. Eine dünne schwarz-weiße Hündin läuft unentwegt über den Platz und sucht nach Essen. Dennoch bleibt diese immer auf Abstand zu uns. Ihr ist die häufige Trächtigkeit deutlich anzusehen.

Butrint ist eine auf einer Halbinsel gelegenen Ruinenstadt und touristisch sehr erschlossen. Dies zeigen die Eintrittspreise und die ankommenden Reisebusse. Dany fällt auf, dass es auf den Straßen bis jetzt nur albanische Männer zu sehen gab.  Als wir zur Weiterfahrt starten, möchte ein Polizist bei uns mitfahren, da er in die nächste Stadt muss. Andy zeigt mit den Worten „Not good for the dog.“ auf Maggie, die ihr Ohren schon auf Hab-Acht-Stellung hält. Der Polizist lächelt und wir fahren weiter.

In Sarande wird einem klar, dass es hier in ein paar Jahren anders aussehen könnte. Überall entstehen neue Hotels, die wie Pilze aus dem Boden schießen, wobei die Hälfte allerdings schon im Bau aufgegeben zu sein scheint. So steht Bauruine neben Touristen anlockenden Hotelanlagen.

Wir fahren weiter Richtung Osten zum Syri i Kalter, auch blaues Auge genannt. Auf uns wartet Karstquelle aus der 7m³/s Wasser quellen. Hier bekommen die Füße eine 10°C kalte Abkühlung im klaren, türkisen Wasser. Uns umfliegen schimmernd blaue Libellen und wir lassen eine Weile das Farbspiel der Natur auf uns wirken.

IMG_0408

Im Vergleich zu Deutschland haben wir es hier schon ziemlich warm und auch die Tiere werden immer größer. Nicht nur, dass Schafe, Pferde, Hühner, Gänse, Schweine, Kühe, Ziegen, Esel, Katzen und Hunde uns frei auf der Straße begegnen, werden auch die Insekten zu Danys Entsetzen immer größer. So fliegt uns bei einer kleinen Pause von einer nahe liegenden Wildwuchswiese eine gut 4 cm lange Bremse ins Auto und setzt sich gefährlich nah zu Maggie. Andy hat beinahe 10 Minuten damit zu tun, diese nach draußen zu befördern. Schwierig nur, dass in der Zwischenzeit durch das offene Beifahrerfenster neue Tiere ins innere kommen. So wird uns erstmal nicht langweilig.

Durch die kurvenreiche Bergwelt geht es anschliessend zum gegenüber liegenden Tal nach Gjirokastra. Kopfsteinpflaster bestückte Steigungen in einer der steilsten und ältesten Stadt Albaniens halten Eva nicht davon ab die Innenstadt und die kleinen Einkaufsgässchen direkt zu durchfahren, natürlich unter den skeptischen Blicken der Einheimischen und denen von Dany. Über der Altstadt thront eine alte Burg. Von hier aus hat man einen wunderschönen Blick über Stadt ins Tal.IMG_0438

Das nächste Ziel steht fest: Der Strand unterhalb des Llogara-passes. Über das Internet hatten wir vorher über einen einsamen Strand erfahren, der offroadig befahrbar ist und hatten uns überlegt, dies dennoch zu testen – immerhin hatten wir ja unsere Sandbleche notfalls dabei.

Es geht wieder zurück Richtung Sarande, inklusive Exkursion durch die Innenstadt da die Navigation, bis jetzt bestehend aus einer Karte, völlig versagte. Ab nun beschließen wir, zur Navigation die Karten und die Navigationsapp von Andys Handy zu nutzen, da in Albanien im Gegensatz zu Deutschland nur etwa 10 % Straßenbeschilderung vorhanden ist.

Nur noch 70km, die in den nächsten 4 Stunden zu bewältigen waren. Lange Steigungen von 10 % laden halt dazu ein nebenbei genüsslich Kekse zu schnabbulieren und geben die Möglichkeit, sich die Gegend intensiv anzugucken. Ab und zu haben wir rechts gehalten, um die Autofahrer hinter uns nicht zu sehr mit unseren maximal 20 km/h aufzuhalten. Diese haben sich meist durch ein Hupen nach dem Überholvorgang bedankt. Wieder einmal stellen wir fest, dass die Albaner ein gastfreundliches Völkchen sind. Fast alle sind erfreut, wenn sie uns sehen. Hier fühlt man sich, trotz der Fremde, wohl.

Als die Sonne schon hinter den Bergen verschwand, erreichten wir endlich die Abzweigung zum Strand. Mit Scheinwerfern und Nebelleuchten konnten die größeren Steinbrocken noch ausgemacht werden, bis wir dann am kiesigen Strand unseren Platz fanden und noch lange dem Mond beim Wandern betrachteten.

Der nächste Tag war nichts tun und schwimmen. Vor dem Bulli sitzend haben wir die Größen der Fahrzeuge geraten, die hinter dem Bulli langfuhren. Bis Andy bei einem gucken ging und mir fröhlich zurief: „Da kommt ein Laster“. Nun waren also auch die drei von der Fähre mit ihrem MB am Llogara-Strand angekommen. Ansonsten standen 2-3 Jeeps, ein Rentnerpärchen und ein paar andere in den teils versteckten mit Gebüsch getrennten Buchten. Abends gab es leckere Pizza aus der Pfanne. Ein unglaublich entspannter Platz, der in Zukunkt hoffentlich nicht zu schnell verschwinden wird, obwohl es schon längst kein Geheimtipp mehr ist. Gerade laufen Pferde am Bulli vorbei, die Maggie von ihrem gemütlichen Sonnenplatz ruhig beobachtet. Auch Ziegen, Kühe, Schweine, Schafe, Hunde, Katzen und Esel sind schon über den Hang des Berges spaziert.

IMG_0473

Wir beschließen unsere Seele noch ein bisschen an diesem wunderbaren Ort baumeln zu lassen und bleiben einen weiteren Tag zwischen Meer, Weltenbummlern, Strand und angenehmer Ruhe. Früh galopieren 4 Pferde über den Strand; wir verbringen einen Tag mit Sonne, Baden  und Abschalten. Als wir nachmittags Rainer auf seiner Hunderunde treffen, erzählen wir ihm, dass wir am nächsten Tag aufbrechen. Er lädt uns zu sich ein, um unsere weiteren Strecken zu besprechen.

Ich gehe die vier Treppenstufen zum weißen Ungetüm hinauf. Nach einem kurzen Klopfen gegen die Tür, öffnet sich diese und es streckt sich mir eine nasse Hundenase entgegen. Nachdem ich über den Hund gestiegen bin, gehen wir durch die Nasszelle in den Wohnraum. Der Boden ist mit weichen Schafsfellen ausgelegt, zwischen denen sich der hellbraune, große Hund legt. Wir setzen uns auf das gemütliche gelbe Sofa und besprechen bei griechischen Wein unsere geplanten Routen. Es ist eine sehr gemütliche und fröhliche Stimmung und wir sind noch bis es dunkel wird bei den Bielefeldern. Nach einer Zigarette vor Eva fallen wir zufrieden in unser Bett.

Am nächsten Tag brechen wir nach einem letzten Badegang – kühl und salzig – auf gen Norden. Knatternd trägt uns Eva über den Llogara-Pass, der uns einen schönen Blick über die Küste Südalbaniens schenkt. Auf dem Weg ins Tal tanken wir Wasser an einer Quelle auf. Diese findet man hier häufig an der Straße gelegen.

Nach dem Llogara-Pass begegnet uns der Frosch-Laster unter Nürnberger Flagge (http://reise.thorben-schmitt.de).

Unser Weg führt uns weiter in die sagenumwobene Stadt der 1000 Fenster – Berat. Der Verkehr in den Städten geht turbolent und gewöhnungsbedürftig zu und der Warnung vom Auswärtigen Amt, auf Schlaglöcher zu achten, sollte man nachkommen. Da Berat außer Fenstern für uns nicht wirklich viel zu bieten hat, suchen wir weiter nördlich an einem See einen Stellplatz für die Nacht. Dabei wird einem klar, dass Hauptverkehrsstraßen nicht zwingend die best-ausgebautesten sind und so kann eine kleine schnuckelige Nebenstraße frisch geteert und glatt wie ein Babypopo zu befahren sein. Hier kommen Mimi, Lotta & Klaara zum ersten Mal zum Einsatz. Grund dafür ist ein Wendemanöver im Grünen. Dabei setzt sich das rechte Hinterrad in einer kleinen Kuhle fest und auch die 69 Pferde schaffen es nicht Eva schnaufend heraus zu ziehen. 

Bevor es in ein tieferes Desaster endet, schlage ich vor die Sandbleche zur Hilfe zu ziehen. Nachdem Eva befreit war, braucht Andy dringend eine Dusche bevor wir entspannt ins Bett fallen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s